11. Dezember 2019

UMTS-/GSM-/LTE-Modems im Notebook unter Linux

Informationen

Zu Beginn war das Telefonkabel, dann das Ethernet-Kabel das die Verbindung zum Internet bot, dann kam das WLAN, es folgten UMTS, GSM und LTE-Modems als Stick. In vielen Laptops die etwas teurer sind stecken jedoch auch solche Modems direkt eingebaut, bei Modellen von Dell sind diese etwa seit Jahren fast Standard, auch bei so manchem Notebook anderer Marken. Unter Modellen von Dell funktionieren diese meist automatisch und problemlos, einfach Karte rein stecken (meist im Akku-Fach) und die Verbindung via Netzwork-Manager aufbauen.

Ist dies nicht der Fall setzt man sich einige Minuten an das System und bringt diese zum laufen, so ist man nicht mehr unterwegs auf WLAN egal ob ortsgebunden oder vom Smartphone abhängig, auch die Sticks stören nicht mehr. Wie wir solche zum laufen bekommen können lesen wir in diesem Artikel.

Verbindung erstellen

Ein erster Test – schadet nie, legen wir die Karte einfach ein (Vorsicht – manche dieser Module haben auch manchmal einen SIM-Lock – dies steht jedoch dann meist in der Beschreibung) und starten den Network-Manager (meist per Rechtsklick auf diesen, wichtig – die mobilen Verbindungen müssen aktiviert sein):

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Wir wählen ganz einfach “Netzwerkverbindungen einrichten” (unter anderen Desktop-Umgebungen wird sich der Eintrag ähnlich nennen), klicken auf “Neue Netzwerkverbindung“:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Hier wählen wir nun “Mobiles Breitband“:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Wird hier nun ein Gerät angezeigt ist bereits alles im Klaren, das Modul wird erkannt und wir haben keine Probleme:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Wir markieren unser Land:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Geben unseren Anbieter an:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Und schon haben wir die Verbindung erstellt und können diese im Network-Manager aktivieren:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Wird das Gerät hingegen nicht erkannt gehen wir nach dem nächsten Teil dieses Beitrage vor.

Modem Manager

Die meisten genutzten Karten für mobiles Internet verstehen sich auch mit SMS, manche Anbieter bieten nur eine begrenzte Flatrate, für solche und ähnliche Dinge ist eine Software praktisch mit der man Daten wie das verbrauchte Volumen anzeigen kann, SMS empfangen und senden kann, … Modem Manager ist eine solche unter Linux. Sie installieren diese Software ganz einfach unter auf Debian basierenden Systemen wie Ubuntu, Kubuntu, Linux Mint und so weiter über die Paket-Verwaltung durch das Paket “modem-manager-gui“. Nach der Installation finden Sie diese Software im Anwendungsmenü im Bereich Internet, alternativ nutzen Sie den Schnellstarter (Alt + F2) oder das Terminal mit dem Befehl:

modem-manager-gui
Modem-Manager-GUI

Auf den einzelnen Reitern lassen sich nun einfach nur Informationen anzeigen, SMS lesen und versenden, Kontakte anlegen und etwa auch der Daten-Verbrauch anzeigen, aber auch ein Limit lässt sich hier setzen ab dem man etwa mehr zahlen muss, beispielsweise lässt sich fest legen das die Verbindung dann getrennt wird.

Das Modem wird nicht erkannt

Wird das Modem nicht automatisch wie oben beschrieben erkannt sehen Sie zuerst nach ob Sie die mobilen Verbindungen tatsächlich auch aktiviert haben, entweder per Hardware-Schalter oder in den Netzwerk-Verbindungen:

Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Wollen wir uns zu Beginn einmal ansehen was wirklich ab geht, wir starten als Administrator auf dem Terminal den Befehl:

rfkill list

In meinem Beispiel lautet die Ausgabe:

1: phy0: Wireless LAN
        Soft blocked: no
        Hard blocked: no
2: dell-wifi: Wireless LAN
        Soft blocked: no
        Hard blocked: no
3: dell-bluetooth: Bluetooth
        Soft blocked: yes
        Hard blocked: no
4: dell-wwan: Wireless WAN
        Soft blocked: no
        Hard blocked: no
Internet-Verbindung via GSM/UMTS/LTE unter Linux erstellen

Finden Sie im Eintrag “WWAN” ein “yes” ist das Modul entweder per Hardware-Schalter (Hard) oder im BIOS/UEFI deaktiviert oder (Soft) in den Einstellungen deaktiviert.

Wenn es sich um eine Karte des Herstellers Gobi handelt stehen die Chancen nicht schlecht das alles problemlos funktioniert, Probleme gibt es eher bei älteren Karten dieser Marke wie Gobi 1000 und Gobi 2000. Starten Sie ebenfalls als Administrator auf dem Terminal den Befehl:

lsmod | grep qcserial

Erhalten Sie hier eine Ausgabe handelt es sich um eine dieser Karten und wir müssen uns die passenden Treiber / Firmware besorgen und zwar etwas auf Umwegen. Es handelt sich dabei um den Treiber für Windows, laden Sie diesen etwa von Lenovo herunter. Haben Sie kein Windows-System installieren Sie den Treiber einfach via Wine. Über Wine installiert öffnen Sie nun das in Ihrem Home-Verzeichnis versteckte Verzeichnis “.wine/drive_c/Program Files/QUALCOMM/Lenovo/“, durchsuchen Sie dessen Unter-Verzeichnisse nach den Dateien “amss.mbn apps.mbn UQCN.mbn“. Diese Dateien bringen wir nun am einfachsten gleich als Administrator auf dem Terminal in das richtige System-Verzeichnis:

mkdir /lib/firmware/gobi
mv amss.mbn /lib/firmware/gobi/
mv appa.mbn /lib/firmware/gobi/
mv UQCN.mbn /lib/firmware/gobi/

Damit die Dateien automatisch geladen werden installieren Sie sich unter auf Debian basierenden Systemen über die Paket-Verwaltung das Paket “gobi-loader” und starten den Rechner neu. Nutzer anderer Distributionen laden sich diesen von Github herunter und kompilieren diesen. Anschließend können Sie die Verbindung via Network-Manager aktivieren.

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Robert Goedl

Linux-User seit dem Jahr 2000, Debian ist die von mir genutzte Distribution (Sid Unstable) Lebe in Graz, der Hauptstadt der Steiermark in Österreich

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