Eine Lanze brechen für Debian

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beluga

Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von beluga »

Es ist noch nicht lange her, da gab es kontroverse Diskussionen - auch in diesem Forum - bzgl. der Update-Politik von Debian.
Die Gemüter erhitzten sich vor allem an den Schwierigkeiten Debians, die ESR-Versionen von Firefox und Thunderbird auf den aktuellen Versionsstand zu hieven. Der Rauch ist zwischenzeitlich verflogen. Ich möchte hier nichts altes aufwärmen, aber an dieser Stelle dennoch mal eine Lanze für Debian brechen...

So nebenbei teste ich regelmäßig aktuelle Linux-Desktopsysteme, z. B. Solus OS, MX Linux 21, Manjaro, Endeavour OS und Gecko-Linux (SuSE). Jede für sich mehr oder weniger gut umgesetzte Distributionen mit ihren Stärken und Schwächen. Vergleiche ich allein die Installationszeiten dieser Distros mit der Debians - also System plus gleicher Anwendungen (soweit möglich) plus peripherer Hardware (Drucker, Scanner usw.) plus abschließender Konfiguration liegt Debian (Stable) mit knapp unter 2 Stunden klar vorne. Im Bereich Software-Auswahl kommt an Debian kaum eine andere Distro (die nicht aus der gleichen Quelle schöpft) heran.
Die Stabilität ist schon sprichwörtlich und bedeutet nicht unbedingt auf Kosten der Aktualität. Und - was ich hier installiere, funktioniert in der Regel auch...
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Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von bluestar »

Kann ich nur unterschreiben. Debian enttäuscht mich einfach nicht. Kann aber durchaus auch die Leute verstehen, die sich lieber ein rollendes Arch Linux mit Frischegarantie installieren. Auch wir Debian-User müssen und sollten uns aber davor hüten, eine Distribution als allein glückselig machend anzusehen ... Freuen wir uns über die Freiheit die uns nur Linux bietet und bemitleiden wir lieber die armen Windowsianer die demnächst mit Win11 und Onlinezwang gebeutelt sind :mrgreen: Die Vielfalt an Linux-Distributionen ist schon erdrückend. Klar reizt immer wieder das Neue und Unentdeckte, aber für den täglichen Einsatz kommt bei mir nur Debian in die Tüte. Auch wenn sich etwas nicht in den Paketquellen befindet - irgendein *.deb Paket wird immer angeboten. Ist einfach weit verbreitet.
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Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von robertgoedl »

Sehe ich auch so. Begonnen im Jahr 2000 mit SUSE Linux, ein paar Wochen später zu Debian. Habe immer wieder nebenbei ein wenig andere Distributionen versucht, Ubuntu, Fedora, Mandriva, Void - aber Debian funktioniert einfach. Wenn ich bei manchen Dingen etwas Aktuelleres brauche, hole ich es mir aus Testing oder Sid.
Windows lässt sich mit einem U-Boot vergleichen - mach ein Fenster auf und die Probleme beginnen ...
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Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von bluestar »

Momentan sehe ich mir diesen kleinen Geheimtip an: Ordentliche Qualität, klein und leistungsfähig zugleich, leise, stromsparend und gebraucht je nach Aussstattung schon für 200,- zu haben: Lenovo Thinkcentre M93P

Schon ein paar Jährchen älter aber dann für ein Debian gut geeignet. Schon im Test von 2015 hat es gut geklappt, solange man kein Windows parallel booten möchte.
beluga

Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von beluga »

Gelegentlich besorge ich mir auch Gebrauchtgeräte z. B. Leasingrückläufer. Zuletzt ein Dell OptiPlex 3050 Micro, ein richtiges Kraftpaket, kaum größer als ein Autoradio, generalüberholt, 2 Jahre Garantie für knapp unter 200 EUR. Absolut Linux- und alltagstauglich.
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Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von bluestar »

beluga hat geschrieben: So 20. Feb 2022, 17:08 Zuletzt ein Dell OptiPlex 3050 Micro, ein richtiges Kraftpaket, kaum größer als ein Autoradio ...
Hat sogar noch einen HDMI-Anschluss. Auch nicht schlecht ... Für 200,- tatsächlich zu bekommen. 500GB SanDisc SSD gibt es ja schon für 50,-. War früher ein Fan von Mac Minis. Aber diese hier sind echt auch schick.
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Re: Eine Lanze brechen für Debian

Beitrag von Kalli »

Ich denke für Debian muss man keine Lanze brechen. Wer nicht das Pech hat, in seinen verwendeten Programmen einen Bug zu haben, der nicht sicherheitsrelevant ist, und für den Stabilität vor Aktualität geht, der weiß Debian und sein umfangreiches Repository zu schätzen. Hat man einen o.g. Bug, muss man dann allerdings etwa 2 Jahre damit leben oder eine aktuellere Programmversion via Backports oder Pinning einbinden, wie es Robert schon erwähnte. Derartig eingebundene Programme werden meines Wissens aber nicht mehr vom Security-Team betreut und Updates sind nicht garantiert; vielleicht mit ein Grund, warum es so viele Distributionen gibt, die auf Debian basieren und die ein paar Sachen besser machen wollen.

Schade das Debian bewusst hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. OpenSuse Leap bspw. schafft es doch auch, kritische Bugs in Programmen zu beheben und dabei trotzdem stabil zu bleiben und darüber hinaus sogar noch eine RR-Version (Tumbleweed) anzubieten, die ebenfalls als sehr stabil gilt.

Wie auch immer, ich habe mich erst einmal von Debian verabschiedet. Es bleibt aber trotz allem viel Restsympathie.
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