Debian: Welches Installations-ISO wählen?

Verschiedene Linux-Distributionen und deren Eigenschaften, Installation, Einführung
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Debian: Welches Installations-ISO wählen?

Beitrag von rockyracoon »

Debian stellt unter seiner Download-Seite viele Installations-ISO`s bereit.
Für Ersteinsteiger ist dies etwas verwirrend.
Daher möchte ich hier eine kleine Einweisung geben.

Zunächst betritt man die Download-Seite mit: https://www.debian.org/distrib/

1. Man sich dann entscheiden, ob man Debian-Stable oder Debian-Testing installieren will. Kurz gesagt ist Debian-Stable gründlich ausgetestet und daher sehr stabil und im produktiven Gebrauch sehr zuverlässig. Es enthält aber nicht die neuesten Programme. Debian-Testing ist keineswegs instabil und liefert aber fast täglich neue Updates, was den Einen nicht stört, aber den Anderen nerven kann. Ganz selten kann es zu unbedeutenden Störungen kommen, welche der erfahrene User selbst behebt oder welche in kurzer Zeit nach weiteren Updates behoben sind. Debian-Testing hat dafür neuere Programmversionen als Debian-Stable.

2. Nach dieser Entscheidung wählt man gemäß seiner Hardware entweder ein Netinstall-ISO oder ein vollständiges ISO aus. Ein vollständiges Image hat den Vorteil, dass sich fast alle Daten dann auf dem Installations-ISO befinden. Allerdings sind sie nach einigen Wochen oder Monaten veraltet. Zudem muß man trotzdem beim Installations-Prozeß einige Daten von einem Spiegelserver nachladen lassen. Ein Netinstall-ISO erfordert eine gute Internet-Verbindung. Der Vorteil dabei ist aber, dass man die nur die nötigsten und aktuellsten Daten herunterläd.

3. Hat man ein vollständiges Installations-ISO gewählt, wird vorgeschlagen, ein offizielles Image oder ein Image mit nicht-freier Firmware zu wählen. In der Regel ist es für Neueinsteiger sinnvoll, ein ISO mit nicht-freier Firmware zu wählen. Man benötigt dieses Image, wenn man nur eine Wlan- und keine Lan-Verbindung zum Internet hat. Der Nachteil ist aber, dass alle möglichen nicht-freien Daten geladen werden, welche man vielleicht gar nicht braucht. Im Betrieb stört dies aber nicht, da nicht benötigte, „tote“ Pakete nur geringen Speicherplatz beanspruchen. Hier ist auch der große Unterschied zum Netinstall-ISO. Das Netinstall-ISO kann nur mit einer Lan-Verbindung genutzt werden und läd dafür aber keine unfreien Daten. Das erspart einem unnötigen Datenbalast, man muß aber bestimmte unfreie Daten nachinstallieren, was ich unter Punkt 5 erklären werde.

4. Hat man ein vollständiges Installations-ISO mit unfreier Firmware gewählt, kann man noch entscheiden, ob man ein reines Installations-Medium will oder eine Live-Version. Die Live-Version ermöglicht ein Booten der Debian-Distribution, um grob zu testen, ob die Version überhaupt auf dem PC oder Laptop läuft, enthält dafür aber wieder viel Datenmengen. Weiterhin ist auch bei einem lauffähigen Live-System nicht garantiert, dass eine Vollinstallation ebenfalls problemlos läuft. In der Regel ist dies aber der Fall.

5. Ich präferiere ein Netinstall-ISO, weil der Installationsprozeß schnell und mit nur den notwendigen und aktuellsten Daten von Statten geht. Dieses Image erfordert aber eine schnelle Lan-Internetverbindung. Zudem muß man hinterher das System manuell optimieren. Dazugehört die Ergänzung der Sources.List mit einem geeigneten Editor um die Einträge „contrib non-free“ und nach einem Update und Full-Upgrade das Nachladen nötigter unfreier Firmware-Daten. Welche unfreie Firmware man nachinstallieren muß, kann man aus den „Fehler“-Meldungen beim Boot-Vorgang oder die Sichtung der Hardware-Daten etwa durch ein Programm wie Hardinfo erkennen. Ein Image mit nicht-freier Firmware enthält dagegen bereits die Einträge „contrib non-free“.

Beim Schreiben dieses Beitrags ist mir wieder klar geworden, wie selbstverständlich zwar einerseits diese Informationen für einen Debian-User sind, aber andererseits verwirrend für einen Neueinsteiger sein müssen.

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